19. APRIL 2016

Mit dem Verkehrsausschuss auf die Insel

 

Nein, nein. Nicht in die Karibik, sondern dahin, wo die Welt noch in Ordnung ist, geht es Mitte April anno 2016. Das Vereinigte Königreich, es müsste derzeit eigentlich noch Königin-Reich heißen, hat sich neben seiner staatstragenden Monarchie einiges zu bieten. Auch in verkehrspolitischer Hinsicht. Und wenn schon die Verkehrspolitik und nicht der Fußball im Mittelpunkt einer solchen Reise steht – der Bundestag hat im Übrigen auch einen Sportausschuss – dann muss man als Abgeordneter auch mal etwas ausprobierten, was bei solchen Reisen sonst unüblich ist: Die Anreise mit der Eisenbahn. Betrachtet man die gesamte Reisedauer von Saarbrücken nach London, dann ist die Bahn eine echte Alternative zum Flugzeug. Letzteres geht von Luxemburg oder von Frankfurt in Richtung Themse. Rechnet mal ehrlicherweise die Anreise - inkl. Zeitfenster am Airport falls unterwegs Stau sein sollte - mit ein, braucht man fast genauso lange wie mit dem Schnellzug. Nun also mit der Bahn ab Saarbrücken Hauptbahnhof, Abfahrt 8:00 Uhr, im ICE nach Paris-Est. Von den ehemals fünf Zugpaaren in die 110-Minuten entfernte französische Hauptstadt fahren jetzt nur noch vier, darunter noch ein verbliebener TGV. Zum Jahresende 2016 sollen es nur noch drei Zugpaare sein, weil die etwas weitere Strecke über Straßburg die etwas schneller Strecke ist. Zeit regiert die Welt, nicht das Geld. Im neusten ICE der Deutschen Bahn – der pünktlich aus Frankfurt kommend abfuhr, ging es gemächlich durch Lothringen, was am Ende der Reise 7min Verspätung einbrachte. Für die Schaffnerin war das keine Rede, genauer Durchsage wert. Für mich auch nicht, schließlich hatte ich 70 min Aufenthalt an der Seine.

Das Flaggschiff der deutschen ICE-Flotte hatte ganz stolz an jeder Tür die Aufkleber „Telekom Hotspot“, soll heißen: freies Internet im Zug. Da ich zwar noch nie mit dem Zug nach Paris mitgefahren bin, den Zug aber schon oft gesehen hatte, dachte ich mir: Hier kannst du ganz in Ruhe deine E-Mail-Kiste abarbeiten. Doch zwischen Saarbrücken und Forbach, dem ersten Städtchen hinter der Grenze war aber Schluss damit. Ich fragte vorsichtig das Personal, ob ich eventuell etwas falsch mache. „Nein, W-LAN gibt es nur in Deutschland“, also auf 5 der knapp 400 km. Dafür kam noch diese Meldung: „Wegen einer technischen Störung…“ Mist, das mit London geht schief, dachte ich mir „… gibt es heute nur ein eingeschränktes Angebot an Speisen und Getränken. Wir bitten dies zu entschuldigen.“ Egal, ich hatte mir am Saarbrücker HBF ein warmes „Fleischkäsweck“ gekauft und erntete böse Blicke im Abteil, als ich es genüsslich auspackte.

Paris, 9:57 Uhr, die Sonne scheint und der Bahnhof hat 20 min freies Internet, was man beliebig lang wiederholen kann. Aber man muss den Bahnhof wechseln. Am besten zu Fuß, wurde mir gesagt. Der Bahnhof Paris-Nord ist nur 10 min entfernt. No Problem bei dem Wetter. Begibt man sich aber in die Rolle von Menschen mit Behinderung, zum Beispiel Rollstuhlfahrer, dann wird das Überwinden einer großen Freitreppe zwischen den beiden Stationen mehr als hinderlich.
In Paris-Nord erkennt man den separaten Terminal des Eurostars, so heißt der Schnellzug durch den Kanaltunnel offiziell, sofort – und zwar an der großen Menschentraube. Obwohl der Zug stündlich fährt, ist er, anders als der ICE nach Paris, bis auf den letzten Platz gefüllt. Und wer immer noch das Flugzeug vermisst, bekommt Airport-Feeling am Bahnhof pur: Bordkarte (auf der nichts Anderes steht als auf dem Ticket), französische Passkontrolle, dann britische Einreisekontrolle (wohlgemerkt in Paris) und zuletzt Sicherheitskontrolle des Gepäcks. Fehlt nur noch der Zoll. Aber der könnte wohl auch bald kommen, wenn das Vereinigte Königreich die EU verlassen sollte. Doch das ist ein anderes Thema.

Wie ist es denn nun im Eurostar. Hm? Während der Fahrt geht das Licht auf einmal aus und der Service ist im Klassen besser. Ok, dafür ist die Fahrkarte auch dreimal so teuer als im ICE. In London „gelandet“ geht es mit der Metro zum Hotel. Zwanzig Minuten kosten 4,90 Pfund, ca. 6 Euro. Ich dachte erst, ich hätte für diesen Preis eine Tageskarte erworben. Nichts da, beim Verlassen der Zielstation blieb das Ticket in der Kontrollschranke.
Für letzteres gilt übrigens auch der Linksverkehr. Wenn man vor dem Kartenschlitz steht, geht die linke Klapptüre auf, nicht die rechte. Auch in den ewiglangen Gängen der Metro wird links gelaufen. Wenn nicht hat man schnell „Freunde“. Spätesten auf der ersten Rolltreppe dann das: Ich stehe klassenbewusst links und habe den ersten Rempler in den Hacken inkl. mürrischer Ansage. Vollkommen ohne Schuldbewusstsein will ich diskutieren, da kommt in der Rolltreppen-Mitte das Schild „Please Stand Right“.
Durch das kleine Bahnabenteuer verpasste ich den ersten Ausschusstermin am Londoner Flughafen Heathrow. Ausgeruht geht es aber ins Transportministerium zum gutgelaunten Staatssekretär. Der hat drei Handouts verteilt und macht einen auf betont freundlich, also wenig britisch. Die Bahnprivatisierung auf der Insel hat die Fahrgastzahlen nach oben gedrückt und die Unfallzahlen nach unten. Dass die staatliche „British Rail“ über Jahrzehnte Bankrott gefahren wurde, verschweigt er. Dass das privatisierte Netz später wieder doppelt so teuer zurückgekauft werden musste auch. Zum Glück gab es Fish&Chips nebst Ale im Pub neben dem Hotel und sehr interessante Gesprächspartner der deutschen Botschaft In London.

 

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